Der geschilderte Besuch in Gangelt hat mir auf Weißlinge bei Rothirschen aufmerksam gemacht und dabei daran erinnert, daß diese Form im 18. und 19. Jahrhundert als "Hubertushirsch" sehr häufig in Tiersammlungen auftrat, aber seither beinahe vollständig aus unseren Zoos und Wilrparks veschwunden ist. Bei exotischen Arten wie Tigern oder Nandus sind Weißlinge ja nach wie vor begehrt, wenn sie auch meist in etwas kleineren Zoos auftauchen. Ob das Verschwinden der weißen Hirsche aus unseren Sammlungen damit zu tun hat, daß Hirschhaltung generell als wenig zeitgemäß betrachtet wird?
was mir verwundert ist das es viele parken gibt mit weisse damhirschen, aber fast keine mit weisse rothirschen.
Ich weiss nicht, warum die weisse Rothirsche aus Zoos verswunden sind, nach einigen Fotos gehörten sie in 50. und 60.ern zu beliebten Zootieren auch in Tschechien (siehe zB die Infotafeln über Historie in Dvur Kralove neben Gepardgehege). Vielleicht waren die Gründe mehrere - generele Reduzierung von Hirscharten in Zoos, Umsteigung an neu verfügbare exotische Arten, Aussortierung wegen der Tatsache, das es sich um Unterartmischlinge handelt, gesundliche Probleme durch langjährigen Inzucht uws.
Ich habe bischen gegoogelt über den Zucht von weissen Hirschen in Tschechien, aber nur wenig Infos gefunden. Die offizielle Historie lautet so: etwa im Jahr 1780 hat man sie importiert (über Herkunf ist nur gerätselt, vielleicht Persien oder Kaschmir), die Tiere gelangten in Besitz von mehreren Landherren, zB Schwarzenberg, Waldstein, Czernin und Kindsky (Ost- und Zentraltschechien). Die meisten Herden haben sich schwer getan, Kinsky hat seine letzten ca 10 Tiere 1824 dem Mathias Thun Hohenstein geschenkt, der sie in Wildgehege Zehusice platziert hat. Im Jahr 1880 gabs sie nur noch in Zehusice, alle andere Herden waren erlöscht (wegen schlechte Nachzuchtraten trotz strengem Schutz). In Zehusice hält man die Herde durch mehreren "Blutauffrischungen" bis heute ununterbrochen immer noch, und mit Tierem aus diese Zucht wurden mehrere weitere Haltungen in letzten 50 Jahren angefangen (Gehege Zleby, Kopydlno...).
Ich habe aber eine ältere Erwähnung von weissen Hirschen gefunden. Im Artikel über den Graf Spork (sehr reiche Mann, 1662-1738, sein Vater war General im Dreizigjährigen Krieg) steht, das er 5000 Golden Strafe für Tötung vom weissen Hirsch zahlen musste. Das sollte in Nähe von Dorf Sojovice (ca 20 km nordöstlich von Prag) geschien. Es lebte da eine Herde von weissen Hirsche dort, die Nachkommen von 6 weissen sibirischen Tieren sein sollten, die der Kaiser Karl VI. als Geschenk vom rusisschen Zar Peter I. Grossen zum Krönung erhalten hat. Diese Tiere wurden dort geschützt und deren Tötung durch Gesetzt verbietet. Der Graf Spork lässte sich aus der Haut Hosen machen, und er kam so zum nächsten Hofball in Wien, wo er auf Einwände reagierte, das das seine teuersten Hosen sind. Der Graf Spork war ein grosse Fan von Parforz-Jagd, und er hat einen Ordnung von St.Hubertus gegründet, wo er sich selbst als Hochmeister ernannt hat. Er hat sogar den Kaiser Karl VI. im Jahr 1723 mit St-Hubertus-Order dekoriert.
Jetzt ein bischen Spekulation - vielleicht waren die Vorfahren von Zehusice-Herde nicht erst etwa 1780 frisch importiert (darüber gibts keine Notizen) , aber es handelte sich um Nachkommen von dem Zar-Geschenk?
Die These hat einiges für sich: Karl VI. unterhielt, gerade wegen seiner Rolle im spanischen Erbfolgekrieg, ein dichteres diplomatisches Netz als die Fürsten Rohan, denen in dem dresdner Zooführer, dem Hamburgerdern ausfindig gemacht hat, die Entstehung der Herde in Zehudisce zuschreibt. Zudem paßt ein solches Geschenk besser zu einem der nach der Schlacht am Weißen Berg installierten neuen Adelsgeschlechter wie den Spork, einschließlich der Geschichte der gräflichen Hose. Dann müßten sich die Tiere allerdings über ein halbes Jahrhundert länger in Europa gehalten haben, dürften von Anfang an also nicht dergestalt unfruchtbar gewesen sein. Interessanterweise gibt es im Bereich des Fürstbistum Lüttich, also deutlich weiter westlich, eine ikonographische Tradition, die den Hirsch, den der heilige Hubert unzulässigerweise erlegt haben soll, weiß darstellt. Ich kenne sie allerdings nur aus bäuerlichen Malereien des 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert wurden die weißen Hirsche im berliner Zoo, weitab des Fürstbisums und seiner Hausheiligen, ebenfalls als Hubertushirsch bezeichnet.
Gerade im Umfeld des dreißigjährigen Krieges unterhieltenen manchen deutschen Fürstenhäuser Kontakte nach Persien, unter anderem auch durch jenes gottorfer Fürstenhaus, mit dem Peter der Große eng versippt war. Insofern wäre es möglich, daß es in Petersburg oder anderenorts eine tatsächlich auf asiatische Vorfahren zurückgehende Haltung weißer Rothirsche gegeben hat, aus deren Bestand das Krönungsgeschenk an den letzten Habsburger gestammt haben könnte.
Das ist alles sinnfällig, aber Belege haben wir anscheinend erst für eine Kontinuität aus der Rohan'schen Herde - und wissen von keiner zweiten Haltung, die dergestalt weit zurückreicht.
Da in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein großes Interesse an der Verbesserung von Haustierrassen bestand, macht auch die Information, man habe versucht, die darbende Zucht weißer Hirsche durch normalfarbige Tiere zu verbessern, für die ab 1780 bekannte Herde einigen Sinn.
Bliebe zu fragen, ob sich die mangelhafte Fruchtbarkeit auch in den heutigen Herden der Form zeigt.
@Jana: Ich möchte bei Ihnen anfragen, ob ich Ihren Beitrag kopieren und ins Schüling-Forum einstellen darf. Es gibt dort einige Rothirschkenner, die mit den historischen Informationen ihre Kenntnisse zu spezifischen Färbungen bei Maralen verbinden könnten, so daß, beides zusammegführt, Erkenntnisgewinn verspricht. Ich würde nach Ihrem Wunsch den Eintrag entweder anonym als Beitrag tschechische Zooexpertin kennzeichnen oder auf dieses Forum und Ihre Mitarbeit dort verweisen.
@IP66 Natürlich können sie den Beitrag kopieren. Ich habe nichts mehr getan, als die entsprechende Texte übersetzt und bishen zusammengebracht.
Noch ist zu bemerken, das die offizielle Historie von Zehusice Zucht an mehreren Seiten in fast identische Form zu finden ist - es handelt sich also warscheinlich um Zitierung aus irgenteine Buch, aus 60. oder 70. ern?, genannt als Autoren sind Dobroruka und Turek.
Ich habe auch eine Erwähnung gefunden, das Herden von weissen Hirschen oft von den asiatischen Herrschern gehalten wurden, als beliebte Rarität. Das soll in eine Buch von Waldmeistr František Vodička
"Zvěř a myslivost ve světle věků" = Wild und Jagdkunst in der Licht den Zeiten (1948) stehen, seine Quellen für diese Aussage kenne ich nicht.
Ich selbst würde die weisse Hirsche nicht als Marale (egal ob sie zu deren Vorfahren zählen oder nicht) bezeichnen. Es war jede Paar Jahrzenten eine Blutauffrischung nötig, immer wenn die Reproduktion nachlässte, und das beweisslich schon kurz nach dem Zucht-Beginn in Zehusice. Für Blutauffrischung wurden meistens mitteleuropäische Rothirsche verwendet, aber in einem Artikel ist zu finden, das es da auch "Experimente" gabs, ohne es weiter zu erläutern. Das Herde in Zehusice (oder auch Zleby) lebt in Gehege an relativ kleine Fläche, der Zahl von Hirschen hat sich so zwischen 200 Tieren (ca 1870), 28 (Ende der zweite Weltkrieg) und 130 (Jahr 2000) bewegt, dabei sind etwa 1/3 weisse, 1/3 gescheckte und 1/3 rote Tiere. Die oft gennante Inzuchtschäden sind - kleinere Gestalt, sehr niedrige Durschnittalter, Deformation von Unterkiefer, niedrige Wiederstandfähigheit gegen Parasiten, Fibrome an der Haut und niedrige Natalität - in 70. und 80ern gabs immer maximal 0,45 Jungtiere pro Hirschkuh und das trotz Zufügen von einigen unferwandten Rothirschen.