Mittlerweile habe ich gelernt, daß es sich auf bei den Arten, die in unseren Zoos als Seychellen-Riesenschildkröten handelt, um verschiedenen Formen handeln kann. Ich habe zudem den Eindruck, daß die Riesenschildkröten in vielen Zoos nur aus einigen wenigen Restexemplaren bestehen, obgleich sie in den meisten Reptiliensammlungen zu den Standararten zählten. Mich würde interessieren, wie diese Bestände zusatndegekommen sind, da ich mir vorstellen kann, daß es schon im 19. Jahrhundert zahlreiche Importe gab, und ob das Verschwinden der Haltungen auf Abgaben oder auf Todesfälle bei den recht langlebigen Tieren zurückzuführen ist.
Hallo
also, in unserem Zoos sind durch die Bank praktisch nur Aldabra-Riesen zu finden, zwar gibt es zwei weitere (erst vor etwas mehr als 10 Jahren wiederentdeckte) Formen, diese werden m. W. aber in keinem Zoo gepflegt (es sind einfach auch zu wenige Tiere). Die Bestände an adulten Tieren bestehen tatsächlich hauptsächlich aus sehr alten, vor zig Jahren importierten Tieren. In München z.b. lebt ein Tier, dass schon lange vor dem zweiten Weltkrieg adult in den Tierpark kam. Allerdings sind Neuimporte an sich auch kein Problem, D. dussumieri wird schon seit langer Zeit an div. Orten auf den Seychellen nachgezogen und das Zuchtprojekt finanziert sich über den Verkauf eines Teils der Nachzuchten.
Das Verschwinden aus einigen Haltungen hängt vorrangig damit zusammen, das vor etwa 15 Jahren der Punkt erreicht wurde, an dem die meisten Haltungen als nicht mehr vertretbar angesehen wurden. Viele Zoos standen also vor der Entscheidung, die Tiere abzugeben oder moderne Anlagen zu schaffen. Trotzdem gab es aber sicherlich auch genügend Todesfälle. Auch wenn diese Tiere sehr alt werden, bis vor relativ kurzer Zeit waren sie in den meisten Zoos eher schlecht als recht untergebracht, eine falsche Fütterung tat dann ihr übriges. Bei vielen anderen Schildkröten (die weniger auffällig sind) ist das ja leider immer noch der Fall...
viele Grüße
Sebastian
Ich kann eine kurze Anmerkung für Tschechien geben - in lokalen Zoos waren Riesenschildkröten nie wirklich ein Standartzootierart. Nach dem 2.Weltkrieg wurden einige Exeplare in verschiedene Zoos importiert, aber die Tiere lebten nicht wirklich lang (wenn man deren "normalen" Erwartungslebendauer nimmt) - einige Jahre bis Jahrzente. Bis heute überlebten aus diesen Importen nur einige wenige in Prag (eigene Tiere + 5 Tieren, die Dvur Kralove beim Schildkrötenhauseröffnung in 90ern hier geschickt hat). Alle andere sind wegen schlechten Haltungbedingungen gestorben.
Jana,
Zu Praha Zoo gibt es - in meiner Erinnerung - etwas interessantes zu den beiden alten Galapagosschildkroeten. Es soll doch sein das beide eine andere Unterart zu zu ordnen sind. Wie sieht es jetzt aus um fuer die Galapagosschildkroeten zuchtgemaesse Unterartreine Zuchtgruppen zu formieren (vielleicht auch mit saemtliche Tiere aus USA)?
Hallo Jelle,
leider sieht es mit dem Zucht bei den Galapagos-Schildkröten in Prag nicht gut, weil man nur 2 Mänchen besitzt.
Antonio (oder auch Tony, Tonik.. genannt) - er ist eine reine Pinzon-Riesenschildkröte (Geochelone nigra ephippium) wie die genetische Testen letzte Jahr gezeigt haben. Er ist das einzige Tier von diese Unterart auserhalb Galapagen. Da gibts ein Export-Verbot, also null Chancen eine Weibchen von daher zu bekommen. Prag hat natürlich angeboten, ihm zurück zu Galapagen zu schicken, aber das war abgeleht, weil er ein Seuchenüberträger sein könnte, und könnte also die schmale Population (cca 300? adulten Tieren) gefährden. Tony kam 1995-96? aus Köln, seine vorherige Geschichte ist aber unbekannt. Es existiert (so habe ich das gehört) ein Aufzeichen in Köln, etwa aus dem Jahr 1975, und er nach dem Gewicht damals etwa 10 Jahren alt sein könnte. Und hier ist es spannend - auf dem Insel Pinzon gabs damals für lange Jahrzenten keine überlebende Jungtiere, weil die Ratten haben alle Eier oder frische Jungtiere sofort gefressen. Im Jahr 1965 hat man einen Rettungsprogram gestartet, die Eier waren aus Nesten weggenohmen und in einem Zentrum auf anderem Insel geschlüpft und erste 4 Jahre dort betreut, bevor sie wieder ausgewildern wurden. Und schon damals gabs schon den Export-Verbot, und nie eine Ausnahme-Genehmigung erteilt wurde. Wie konnte also Tony in Köln auftauchen? Ich habe keine Ahnung, kann mich aber zB vorstellen, das jemand ein Jungtier in dem Zuchtzentrum gestohlen hat und nach Europa geschmuggelt hat, und nach einigen Jahren dem kölner Zoo geschenkt/verkauft hat. Tony selbst wiegt 72-74kg, hat Sattel-förmigen Panzer, ist sehr agresiv gegenüber dem zweitem Mänchen, zeigt dagegen aber überhaupt kein Interesse für die 4 Seychellen-Riesenschildkröten-Weibchen, mit denen er auch lebt. Er ist sehr teritorialisch und er versucht den ganzen Zeit nur im Haus zu bleiben und alle andere Schildkröten von da wegzujagen. Er geht drausen nur um Grass zu fressen (das ganze Sommer bekommen die Riesenschildkröten von den Pflegern keine zusäzliche Futter, also muss die Wiese so gross sein, damit alle 11 Tiere satt werden) und dann rannt er schnell wieder drin.
Eberhard (auch "Eberhard vom leipziger Hauptbahnhof" genannt) - er ist ein reinrassige Santa-Cruz-Riesenschildkröte (Geochelone nigra porteri), wie die Bluttesten zeigten. Diese Unterart ist der heufigste Unterart in europäischen und amerikanischen Zoos. Trotzdem hat man noch keine Weibchen für ihm bekommen. Prag hat alle Halter in Europa gefragt, alle haben aber abgeleht. Jetzt führt man Verhandlungen mit USA-Zoos, aber es sieht nicht gerade rosig aus. Er kam aus Leipzig in dem selben Zeit wie Tony, aber auch bei ihm weiss man nicht, wie und wann genau er nach Leipzig kam (so ist auch seine Spitzname entstanden) und seine vorherige Geschichte liegt im Dunkel. Eberhard wiegt 215-230kg, hat einen normal ausgewölbten Panzer, er ist sehr ruhig - "ein sanftige Riese" und er versucht ständig die Seychellen-Weibchen anzubaggern und sich mit ihnen zu paaren. Er geniesst den Aufenthalt im Aussengehege und ist sehr kontaktfreudig auch zu dem mänlichen Seychelle-Riesenschildkröten. Er hat aber oft Probleme mit Übergewicht und so bekommt er im Winter nur energiearmes Futter, und zB Möhren nur als Lekkerbissen (Apfeln hat man ihm ganz verboten).
Hallo,
was den Import von (weiblichen) Nachzuchten aus dem Zuchtprojekt auf Galapagos angeht, würde ich mal nicht so schwarz sehen, sondern lieber abwarten, was die Zukunft bringt. Ggf. werden doch einmal einige Tiere exportiert (was ja auch positiv auf die Finanzlage des Projekts auswirken kann).
By the way, @Jana: hatte Prag eigentlich nicht schonmal ein Galapagosschildkröten-Weibchen?
viele Grüße
Sebastian
Hallo,
ich werde dem Import aus Galapagen vertrauen, wenn ich die Tiere selbst sehen werde. Ich glaube nicht, das dazu in nächsten 10-20 Jahren kommt. Für Rettung von den Schildkröten hat sich der Program von der Darwin Station auf Santa Cruz als euserst erfolkreich bewiesen. Und ein Verkauf von überzähligen Jungtieren könnte innenpolitisch heisse Sache sein, man könnte es als Handel mit dem nationalem Schatz abstempeln.
Zu der Weibchen - ja, früher waren noch weitere (3?) Galapagos-Schildkröten in Prag gehalten. Ein Tier hat relativ lang gelebt, eine Weibchen namens Princezna (Prinzessin), über die gibst ein Artikel auf der HP: Sie kam 31.8.1948 als Geschenk von dem equadorischen Meeres-Ministerium, damals hat sie 10kg gewogen (also war sie cca 10 jahren alt). Sie war an verschiedenen Stellen im Zoo gehalten, in Winter war sie im Pavillon von seltenen Säugern untergebracht (zeitweisse aber auch in Raubtierhaus usw.). Sie war lange ohne Heizung im Aussengehege gehalten, und so hat sie oft relativ niedrige Temperaturen aushalten müssen. Das hat ihre Innenorgane beschädigt. Nachdem sie 1998 in den neuen Schildkrötenhaus gezogen war, hat sie gut an bessere Bedigungen reagiert und wollte sich vermehren. In August 2002 war sie wegen der Flut aus dem Haus gerettet und war in die Karantäne im oberem Zooteil trasportiert. Ihre Ovariums und Leber waren aber chronisch krank und sie ist am 7.10.2002 gestorben.
Hallo Jana,
wie ich oben schon geschrieben habe, das Zuchtprojekt auf den Seychellen finanzierte sich auch zu einem Teil durch den Verkauf von Nachzuchten - warum sollte das mit Galapagosschildkröten nicht ähnlich gehen?
Schade, dass das Weibchen verstarb. Ist bekannt, um welche Unterart es sich dabei handelte?
Was ist mit den anderen beiden Tieren passiert (du schreibst ja 3?).
viele Grüße
Sebastian
Hallo,
der Zuchtprojekt auf Galapagen läuft schon über 40 jahren und in dem ganzen Zeit hat niemand über solchen Quelle von Finanzierung gedacht.
Zu den restlichen Tieren kann ich nicht viel sagen. Ich habe Foto von 3 Tieren gesehen (Princezna und 2 Jungtiere) in eine Buch aus Ende 60ern mit dem Unterschrift "Galapago-Schildkröten". Bisher habe ich aber noch nichts weiteres über diese Tiere gefunden.
Noch ein Edit zum vorherigem Posting - ich habe mich das Buch mit dem Bild zu Hand genohmen. Es heisst "Nase ZOO" und erschiente schon im Jahr 1952. Alle 3 Tiere auf dem Bild sind eindeutig Galapagos-Riessenschildkröten, von Unterart ist nirgentwo die Rede. Nur das "Zu diesen glücklichen Zoos auch prager Zoo gehört, der eine fast ausgewachsene Weibchen und zwei Jugtiere besitzt. Die Elefantenschildkröten leben im prager Zoo schon seit einigen Jahren..."
Und noch eine Anmerkung zu dem heutigem Schildkrötenhaus. Das Planung hat einige Jahre gedauert, und so ist zB Eberhard (1996) noch vor dem Eröffnug (1998) nach Prag gekommen. Er, Tony wie auch die Tiere aus Dvur hat man bekommen mit dem Versprechen auf deutlich verbesserte Lebensqualität in dem neuen Haus. Dann kam aber im Jahr 1997 zum Wechsel auf der Position von Zoodirektor. Und der neue Direktor hat sich wehement gegen die Bau gestellt, mit dem Begründung, das es eine Geldverschwendung ist, das die Schildkröten nicht genug Besucher ziehen würden, und man das Geld für Verbesserung von Haltungen bei den populären Arten mehr braucht. Weil aber man schon die Tiere dabei hatte, die Pläne waren fertig und die Bau finanziel gesichert, war der Haus dann doch gebaut. Und von den Schildkröten ist ein Publikumsmagnet geworden, vor allem wegen dem kommentieren Fütterung, das während Wintermonaten läuft. Der Direktor hat aus diesem Grund später seine Meinung auf die Atraktivität von Reptilienarten geändert. Er hat sogar die Stelle von Reptilienkurator ins Leben gerufen, und eine deutliche Vergrösserung von Reptiliensammlung unterstüzt.