Das Bild im Rate-Thread hat bei mir die Frage aufgeworfen, ob es noch andere Nashörner als jenes in Dortmund gibt, die ein drittes Horn aufweisen. Es wäre ja vor allem in Hinblick auf Panzernashörner interessant, zeigt doch der Stich von Dürer ein Tier dieser Art.
Es war mindesterns einen Spitzmaulnashorn in Afrika gesehen.
In Berlin soll/sollte es auch so ein Tier geben (Spitzmaulnashorn). Was genaueres kann ich dazu allerdings nicht sagen.
Dazu muss man sagen, dass Albrecht Dürer das Nashorn, von dem er einen Stich angefertigt hat, nie selbst gesehen hat.
Er hat es aus der Erzählung heraus angefertigt, da dieses Tier nie in Nürnberg gezeigt wurde oder zumindest nicht zu seinen Lebzeiten.
Es muss also nicht heißen, dass dieses Tier 3 Hörner gehabt haben muss, die mittelalterlichen Erzählungen waren da sehr frei....
Man rekonstruiert meist die Sichtung des Präparates eines Tieres, eines Geschenks Manuels I. von Portugal an Leo X., daß den Transport nicht überlebte. Der Holzschnitt (kein Kupferstich, was für die Beurteilung eine Rolle spielt) mutet so realistisch an, daß er eine Begegnung Dürers mit einem Präparat voraussetzt, vor allem wegen des Standmotivs. Freilich handelte es sich um ein Panzer-, allenfalls eine Java-Nashorn, während die Beispiele für zustätzliche Hörner auf dem Nacken bislang wohl nur von afrikanischen Nashornarten bekannt sind. Immerhin hat man mir im Zusammenhang mit dem betreffenden dortmunder Breitmaulnashorn erzählt, daß dergleichen Zusatzhörner bei den afrikanischen Arten so selten gar nicht seien.
Im Nürnberger Dürermuseum wird erzählt, dass das Motiv rein aus Erzählungen entstand und ein Panzernashorn darstellt, welches mit einem Niederländer, .... van der Meer, im 15. Jahrhundert durch Europa reiste....
Ich fürchte, da haben sich verschiedene Überlieferungen überschichtet, wobei ich für den Beitrag von gestern nur bei Anzelewsky nachgeschlagen habe, den ich als Einführung in die Dürer-Thematik gerne empfehle. Es kann aber sein, daß man in Nürnberg neuere Erkenntnisse hat, die allerdings auch erklären müßten, weshalb das Tier so entschieden von der bisherigen Einhorn-Ikonographie abweicht und einem indischen Panzernashorn bemerkenswert ähnlich sieht. Das Nashorngeschenk von König Manuel I. an den Papst ist jedenfalls gut belegt, auch wenn das Tier Rom nicht lebend erreicht hat.
@JohannesS
Da haben die Mitarbeiter im Dürermuseum zwei Geschichten verwechselt, das "holländische" Nashorn dürfte Clara gewesen sein, dass im 18 Jahrhundert von Rotterdam aus mit einem Mann namens Douwe Mout van der Meer durch Europa tingelte, und u.a. von Giacomo Casanova in Paris besucht wude, wie man in seinen herrlichen Memoiren nachlässen kann... Clara dürfte wohl einen fast eben so wichtigen Einschlag in die europäische Kulturgeschichte haben, wie das Dürer Nashorn, da sich Rekonstruktionen von Nashörnern zuvor nur auf Dürers Werk bezogen, gab es mit Clara eine radikale Veränderung in der naturalistischen Darstellung von Nashörnern. Übrigens auch danach war noch Dürers Bildnis nicht völlig weg von der Bildfläche - jede Rekonstruktion Claras mit Horn basiert nämlich ebenfalls auf Dürer, da ihr zur Sicherheit das Horn regelmäßig abgeraspelt wurde
Dürers Nashorn bezieht sich gesichert auf das Nashorn von Leo X. und er hat das Tier niemals gesehen, die rapierende Ähnlichkeit führt aber daher, dass ein Freund, der das Nashorn noch kannte - man möge es mir verzeihen, dass ich vergaß wer es war - einen Brief mit einer Skizze in Seitenansicht schickte, ich meine dieser Brief wird im British Museum aufbewahrt, aber sicher bin ich mir nicht. Dazu fehlt mEn in dieser Skizze auch das dritte Horn, dass ich für künstlerische Freiheit Dürers halte.
Allein auf Basis dieser Beschreibung und der Skizze ist das Bildnis angefertigt und unterlag doch einer großen freien Interpretations Dürers, so ist der "Panzer" des Nashorns bei nährerer Betrachtung ein Zusammenspiel von - aus dem im Text erwähnten - gsprengelten Schildkröten und Harnischen der im Untergang befindlichen Ritterkaste.
Und auch der Text ist nicht wirklich genau, so sei das Nashorn so groß wie ein Elefant.
Das Dürer ein naturalistisches Nashorn gezeichnet hätte, wäre er nur zeitweise in Kontakt mit einem Prepärat gekommen, kann man an seinen fantastischen Naturbildern der heimischen Fauna sehen.
Alles in allem kann man mit Sicherheit ausschließen, dass Dürer jemals ein Nashorn (sei es asiatisch oder afrikanisch) gesehen hat
Hediger zeigt in seinem Buch "Zoologische Gärten: Gestern-Heute-Morgen" zwei Bilder eines Breitmaulnashorns im Zoo von San Francisco aus dem Jahre 1968 mit deutlichem "Dürer-Hörnlein".