Ich weiß nicht mehr, wo ich es gelesen habe (ich glaube es war irgendeine Ausgabe der Zeitschrift des Kölner Zoo): Die Brutbereitschaft korreliert bei Flamingos wohl recht stark negativ mit der Beschattung des Geheges. Das oben dargestellte Ascherslebener Gehege sieht mir recht schattig aus - Bruterfolge sollten daher selten sein, wenn besagte Korrelation valide ist.
Generell könnte dies so sein. Allerdings gab es sowohl in Wuppertal wie in Dortmund auf recht schattigen Anlagen Bruterfolge. Köln würde ich als Beleg für die These ungern heranziehen: Die Rosaflamingos auf dem schattigen Teich wurden ja aus der Mischgruppe auf sonnigem Gelände ausgesondert, so daß man die Tiere aus Gruppen- und Paarbeziehungen herausgezogen und in ein neues Gehege verlagert hat, was ebenfalls ein Grund für die mangelnde Brutbereitschaft sein könnte. Schließlich gab es in der alten Mischlingsgruppe immer wieder einmal einen Zuchterfolg, so daß der Altersschnitt der rosanen Gruppe höher ist als der der Mischlingen, was man auch als brutbereitschaftsreduzierend bewerten könnte.
Als vergleichsweise schattig würde ich die Anlage im berliner Zoo definieren, kenne da aber die Zuchterfolge nicht.
Anknüpfend an die Diskussion um's Kupieren und das Unterbringen von Flamingos in Volieren: Sind die Jamesons' Flamingos in Berlin kupiert? Sie stehen ja in einem recht massiven Käfig.
Unter den Kölner Rosaflamingos befindet sich das älteste Tier des Zoos (sofern der Palmkakadu nicht älter ist) mit etwa 45 Jahren. Ich hatte ebenfalls gezögert, diese Flamingogruppe als Beispiel für mangelnde Brutbereitschaft bei schattigem Gehege anzuführen.
Ein bisschen auf die Seite:
Ich habe gehört, dass einige Flamingo-Paare kopulieren erfolgreich in tiefem Wasser, die wahrscheinlich macht Springen leichter. Ich wunder ob es ist Korrelation zwischen der maximale Tiefe von Wasser und Zuchterfolg?
Und mehrere Zoos (einschließlich Posen) gefunden, dass ihre Kolonien starten Zucht ersten Jahr nach dem neuen Vögel in die Gruppe bebracht werden. Umzug Flamingos zwischen Zoos ist möglicherweise kein Problem...
Das schattige Anlagen generel die bei Flamingos Bruterfolge hindert, kann gut möglich sein (auch wenn ich Zeuge war, als in Zoos zB Chile- oder Rosaflamingos sich zum Nestenbau gerade solche Plätze neben Hauswand oder unter einem Baum aussuchten). Wenn man sich die Freilandaufnahmen anschaut, ist klar, das die meisten wilde Flamingos im Leben nie einen Baum aus der Nähe kennen. Sie leben vor allem an flachen Seen in karge und monotone Wüstenlandchaft, ohne jeglichem Schatten weit und breit. Ich selbst würde Bäume und Büsche lieber aus Flamingogehegen ganz verbannen, neben dem Schatten bringen sie einen unerheblichen und unnötigen Verletzungsgefahr für die Vögel.
Wenns um Licht geht, würde ich anderen Aspekt aufbringen, nämlich die Menge von Tageslicht während der Wintermonaten. Das Brutstimmung ist bei diesen Vögel durch Hormonen gesteuert, und man kann kaum rechnen, wenn man sie für mehrere Monate irgentwo im dunklen Raum einsperrt, das das keine Nachwirkung haben wird. Bei den Neubauten in CZ-Zoos in letzten Jahren (und fast alle haben in letzten ca 6 Jahren neu für Flamingos gebaut), sehe ich deutlich die Tendenz zu grössen Glassscheiben, Glasdächern oder sogar zu kompletten Glashäusern. Da man aber in dem gleichem Zeitraum auch in anderen Pflegebereichen viel verbessert hat (zB Fütterung usw), ist schwer zu sagen, wie grosse Efekt diese neue Häuser auf die heutige Bruterfolge haben.
@Jurek7 Beide mal ja.
Beim Rundgang diese jahr durch zoo Jihlava mit dem Kurator kam auch zu diese Thema die Rede. Er hat drei Beispiele genannt.
1) Rosa- (und einige Chile)-Flamingos in Zoo Zlin, wo sie im flachem historischem Schlossteich kupiert gehalten sind (bis diese Jahr, wenn neubau an andere Stelle eröffnet wurde). Nur ca 15% der Eier sind befrüchtet. In der Gruppe sind Vögel von unterschiedlichem Alter, zwischen fast 40, über viele 10-15 jährige bis zu Jungvögel.
2) Rosaflamingos in Jihlava, wo sie zwar kupiert stehen, aber auch Bereiche mit tiefe Wasser betreten können. Ca 60-65% der Eier sind befrüchtet. Die meisten Vögel sind 10 Jahre alt und jünger.
3) Rosaflamingos in Ohrada, wo sie flügfähig in eine Voliere leben. Die Befrüchtungsrate ist über 95%, und eine Saison hatten sie sogar von ingesamt 13 gelegen Eiern am Ende 12 natürlich aufgezogene Jungvögel. Zu Alter der Vögel lässt sich wenig sagen, weil sie vor ca 8 Jahren als völlig ausgefarbene Tiere importiert waren.
Das neu angetroffene Mitglieder oder auch andere Änderungen (zB zeitliche Separierung von Mänchen und Weibchen, Austausche von Tieren usw) in der Flamingogruppe das Brutverhalten starten können, kann man auch in dem Haltungsmanual von AZA/EAZA finden.
Ein Beispiel - Ostrava hat die kleine (ca 12 Stück) Kubaflamingogruppe vor 5 Jahren mit 8 neuen 1-jährigen importierten Vögeln vergrössert. Auch wenn sie damals zu jung für brut waren, hat diese Änderung die "altgesessene" Vögel so motiviert, das sie in dem Jahr zum ersten mal nach sehr vielen Jahren brüteten, und seitdem ist diese Gruppe jedes jahr sehr produktiev.
Was die dunkle Überwinterung von Flamingos angeht, war Köln in der Nachkriegszeit sicherlich ein gutes Beispiel: Dort kamen die Tiere in den Keller des heutigen Südamerikahauses, während in Wuppertal schon recht früh ein zwar kleines, aber außerordentlich helles Winterhaus zur Verfügung stand. Wuppertal hatte in dieser Zeit wohl auch die ersten Zuchterfolge, aber ich meine, daß es in Köln trotz der Kellerunterbringung schon die ersten erfolgreichen Bruten gab.
Wenn Flamingos allerdings kaum von Baum zu Baum oder Stange zu Stange fliegen, scheint mir das eher gegen eine Unterbringung in Volieren zu sprechen, weil die Vögel dort ja auch keinen Grund zum fliegen haben. Als ungeschickte Langstreckenflieger muß man die Tiere wohl wirklich eher davor bewahren, zumal sie, anders als Waldbewohner, wohl kein Gefühl dafür haben, wie man mit Gitterwänden umgeht. Allerdings gibt es in den Volieren ja die besseren Bruterfolge.
Danke, Jana!

Und wo kann ich Haltungsmanual von AZA/EAZA finden?
@Jurek7 Ich hatte den Manual damals von dem Autor bekommen, seit eine Zeit kann man ihm aber auch aus der Net runterlagen.
Link.
In Hamburg sthet die Flamingogruppe am Japanteich ganzjährig draußen und brüten trotz geringer Anzahl der Tiere fast jährlich. Gibt es noch weitere Zoos die eine solche Haltung praktizieren?
Die Zwergflamingos in Aschersleben haben zumindest die Wahl ob sie draußen bleiben oder ins Warmhaus gehen wollen. Im Februar 2007 oder 08? sah ich kein Tier draussen trotz offener Tür. Allerdings keine ich auch Bilder wo die Zwerge im Schnee stehen.
Die Mischgruppe in Leipzig am Eingang hat glaube ich auch kein Winterquartier.
Weitere Haltungen kenn ich nur mit seperaten Warmhaus, welches sich nicht unbedingt in der Nähe der Anlage befinden.
Wie steht es eigentlich in Halle, auf der Stelzvogelwiese?